Teure Ersatzteile für günstige Neuwagen
Das ARD Magazin plusminus nennt es das „Prinzip Tintenstrahldrucker“. Gemeint ist der günstige Kauf eines Neuwagens, aber dann kommen hohe Preise für Ersatzteile. Warum das so ist, erklärt plusminus wie folgt:
plusminus (online) 24.07.2007: „Kleiner Schaden, große Kosten, für Autofahrer entwickelt sich das zum Trend. Seit längerem nämlich verbauen die Autohersteller in der Produktion nicht mehr Einzelteile, sondern ganze Komponenten. Von Zulieferfirmen werden fertige Module direkt ans Montageband geliefert. Für die Industrie bedeutet das einen erheblichen Kostenvorteil durch schnelle Produktionsabläufe, weniger Logistikaufwand und geringere Lagerkosten. Die Modulstrategie der Autohersteller kommt die Kunden aber teuer zu stehen - zum Beispiel Bianca Porth-Headlam. Eigentlich wollte sie an ihrem Renault Megane nur zwei Bremsscheiben austauschen lassen. Der Materialpreis für die Teile liegt bei etwa 130,- €. Doch bei ihrem Modell hat Renault die Bremsscheibe zusammen mit Radlager und ABS-Sensor verbaut und das Ersatzteil gibt es ebenfalls nur im Paket. Die Halterin hat keine Wahl und muss tief in die Tasche greifen: Statt 130,- € kosten die Bremsscheiben 320,- €.“
Leider ist das kein Einzelfall. Plusminus fand viele solcher eigentlich günstigen Reparaturfälle. Aber dadurch, dass es keine Einzelersatzteile gibt und daher ganze Komponenten ausgetauscht werden müssen, werden aus einem „ein paar Euro-Reparaturproblem” schnell 200 Euro und mehr.
Eine nette Erklärung, wo der Vorteil für die Autoindustrie liegt, liefert plusminus auch:
plusminus (online) 24.07.2007: „Laut einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman macht der Verkauf von Neuwagen gerade einmal 5 Prozent des Gesamtgewinns aus. Dagegen liegt der Gewinnanteil durch das Ersatzteilgeschäft bei knapp 30 Prozent. Der Rest verteilt sich auf die Bereiche Finanzdienstleistung und Zubehör. Den lukrativen Ersatzteilemarkt haben die Autohersteller zudem fest im Griff. Bei den sichtbaren Karosserieteilen zum Beispiel, also Lampen, Stoßstangen, Kotflügeln und Scheiben, dominieren sie mit geschätzten 80 Prozent Marktanteil das Geschäft. Unter der Regie der Automobilhersteller seien die Ersatzteile inzwischen so teuer geworden, dass ein Verbraucher, der sich einen Wagen nur aus Ersatzteilen zusammenbauen würde, dafür den vierfachen Preis eines Neuwagens aus dem Autohaus bezahlen müsste, erklärt Prof. Meinig.
Wer sich beim Neuwagenkauf über die sagenhaften Rabatte freut, könnte bei der nächsten Reparatur also vielleicht feststellen, dass er die Rechnung ohne den Hersteller gemacht hat.“
Wie schön war das doch früher, als man seinen Golf 2 noch anhand von Büchern selbst reparieren konnte und günstige Ersatzteile vom Schrottplatz oder vom Ersatzteilladen um die Ecke bekommen hat. Aber die Zeiten sind wohl leider längst vorbei.
Am 12. Oktober 2007 um 16:20 Uhr
Darauf sollte man eben beim Kauf eines Neuwagen auch genau achten. Es lohnt sich öfter mal besser zu informieren was die Folgekosten sind, gerade bei Neuwagen die “nur noch” aus Computer in der Motorhaube bestehen sollte das genauer geprüft werden.